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Industriemetalle: China ist das größte Risiko


27.01.2012
Rohstoff-Report

München (aktiencheck.de AG) - Die Angst vor einer harten Landung der chinesischen Volkswirtschaft, ausgelöst durch fallende Immobilienpreise, sowie die Furcht vor einer Rezession in Europa hat die Preise für Industriemetalle im vergangenen Jahr empfindlich belastet, so die Experten von "BörseGo" in ihrem "Rohstoff-Report".

Wenn in China der Bausektor nicht mehr laufe, und in Europa die andauernde Staatsschuldenkrise die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung in den Industrieländern schmälere, dann werde auch die Industrie nicht damit beginnen, große Lagerbestände für eine steigende Produktion aufzubauen. Eher das Gegenteil wird geschehen und geschah im vergangenen Jahr: Fabriken und Baukonzerne verringerten im großen Stil Lagerbestände, schließlich entstehen bei der Lagerhaltung auch immense Kosten, so die Experten von "BörseGo". Das habe wiederum die Nachfrage überdurchschnittlich stark sinken lassen und die Preise für Industriemetalle gedrückt.

Nun liege genau an dieser Stelle auch das größte Überraschungsmoment: Wenn die Weltwirtschaft etwas positives Momentum zeigen würde, dann würden die Industriemetalle zu den größten Gewinnern zählen. Einen Teil dieser Hoffnung würden die Preise seit Jahresbeginn bereits vorwegnehmen. So sei Kupfer zuletzt bis auf fast 8.400 Dollar pro Tonne gestiegen - ein Plus um rund zehn Prozent zum Schlusskurs des alten Jahres. Die Experten hätten eine Long-Position auf Kupfer im Blog gehalten, die sei mit 73% Gewinn verkauft hätten.

Analysten von Morgan Stanley fänden Kupfer interessant wegen fallenden LME-Lagerbeständen, unberechenbaren Streiks und Lieferunterbrechungen sowie einigen Hinweisen, die auf einen beginnenden Lageraufbau in China hindeuten würden. Analysten von Goldman Sachs, die Kupfer auch zu ihren Favoriten zählen würden, würden außerdem auf ein mögliches Ende des Lagerabbaus in Europa hin verweisen. Fortan würden sich Unternehmen mit ihren Beständen wohl fühlen. Ein Beginn neuer Lagerkäufe sei jedoch nicht absehbar. Eine neue Entwicklung könnte es laut Goldman aber in China geben: Dort könnte die Lockerung der Geldpolitik das dortige Wachstum antreiben.

Standard Chartered warne diesbezüglich hingegen vor allzu hohen Erwartungen. Die im asiatischen Markt sehr aktive Investmentbank rechne eher mit "allmählicher Lockerung", als mit großen Sprüngen. Das sei verständlich: Chinas Führer würden sich noch gut an die inflationären Spätfolgen des im Jahr 2008 auferlegten Konjunkturpakets erinnern, das bis heute als das größte der Weltwirtschaftsgeschichte gelte. Zwar hätten sich die Steigerungsraten der sozial brisanten Konsumentenpreise zuletzt deutlich verringert. Aber der gewollte Abschwung der chinesischen Wirtschaft verlaufe gleichzeitig auch noch immer in geordneten Bahnen, sodass es keinen unmittelbaren Bedarf für geldpolitische Lockerungsmaßnahmen gebe, schreibe Standard Chartered.

In den USA hätten die Tauben mittlerweile die Lufthoheit in der US-Notenbank. Ende Dezember hätten mit Richard Fisher (Dallas), Narayana Kocherlakota (Minneapolis) und Charles Plosser (Philadelphia) aus dem Offenmarktausschuss ausgeschied und seien durch Sandra Pianalto (Cleveland), Dennis Lockhardt (Atlanta) und John Williams (San Francisco) ersetzt worden - drei Tauben, die eher für eine Lockerung der Geldpolitik stünden. Beobachter würden schätzen, dass es in den USA tatsächlich zu weiteren außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen kommen könnte - ein so genanntes QE3 könnte einen Umfang von 500 bis 700 Milliarden Dollar haben und solle dazu dienen, die Wirtschaft zu stimulieren. Dieser gehe es zwar im vierten Quartal gut - das Wachstum werde möglicherweise bei über drei Prozent liegen.


Die Befürchtung sei allerdings, dass es sich bei den guten Daten um eine Eintagsfliege handeln könnte, die aus positiven konjunkturellen Impulsen durch den Wiederaufbau in Japan und sowie aus dem niedrigen Ölpreis - WTI notiert habe im Herbst nur 75 Dollar notiert - geboren worden sei. Wenn diese Einmaleffekte vorüber seien, gebe es Bedarf für neue Wachstumsschübe, insistiere das frisch gebackene Offenmarktausschussmitglied John Williams, der damit gleich nach seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn als geldpolitische Taube auf sich aufmerksam mache.

In Europa hätten die Banken im Februar zum zweiten Mal die Möglichkeit, zu einem Zinssatz von einem Prozent Drei-Jahres Tender der EZB in Anspruch zu nehmen. Beobachter würden damit rechnen, dass die EZB nach dieser zweiten Kreditvergabe insgesamt ungefähr eine Billion US-Dollar an langfristigen Refinanzierungskrediten in ihrer Bilanz stehen haben werde. Das könnte dazu beitragen, die Stimmung weiter aufzuhellen.

Die Rohstoffmärkte würden zwischen Konjunkturhoffnung und Absturzgefahr gefangen? Ein denkbares Szenario, wobei es Vertreter der Zentralbanken sehr klar hätten werden lassen, dass sie die Märkte stützen würden, sollte es zu größeren Verwerfungen kommen. Natürlich seien das nur Lippenbekenntnisse und wenn es hart auf hart komme, müsse auch bei der Anlage in Rohstoffe reagiert werden. Die Rohstoffe befänden sich nach wie vor in einem positiven Trend.

Seit zehn Jahren werde dieser Trend jedoch durch Sonderfaktoren immer wieder scharf unterbrochen - sei es durch die Anschläge des 11. September in den USA, den Irakkrieg, die Lehman-Pleite oder die Euroschuldenkrise. Sobald sich jedoch eine gewisse Erholung abzeichne, seien die Rohstoffe wieder ganz vorne dabei und würden schneller als die marktbreiten Aktienindices steigen. Insofern mache es Sinn, bei der Geldanlage frühzeitig zu reagieren, dabei aber dennoch Vorsicht walten zu lassen.

Eine Möglichkeit eine positive Erwartungshaltung gegenüber den Industriemetallen abzubilden sei das Index-Zertifikat auf den JPMorgan Commodity Curve Industrial Metals TR Index (ohne Währungsabsicherung (ISIN DE000VT1FCP2/ WKN VT1FCP) und mit Absicherung (ISIN DE000VT044J2/ WKN VT044J). Es investiere in alle sechs Industriemetalle an der LME (plus Aluminium-Legierungen) und zeichne sich dadurch aus, dass die verwalteten Mittel entlang der gesamten Terminkurve investiert würden, wobei die Gewichtung anhand des bereits investierten Open Interest in den einzelnen Kontraktmonaten bestimmt werde. Die Gewichtung ähnele dabei am meisten einem Aktienindex, bei dem die einzelnen Aktien anhand ihrer Marktkapitalisierung gewichtet würden.

Einen reinrassigen Rolloptimierer finde man in dem UBS-Index-Zertifikat (ISIN DE000UB3JMT2/ WKN UB3JMT). Basiswert sei hier der UBS Bloomberg CMCI Industrial Metals TR Index, der speziell dafür konstruiert sei, Rollverluste zu minimieren. Das sei zwar bei den Industriemetallen kein so großes Thema wie zum Beispiel bei den Agrarrohstoffen, weil die Terminkurve dort nicht so stark steige. Dennoch könnte sich eine bessere Rendite ergeben. Nachteil sei jedoch, dass der Markt nicht vollständig repräsentiert werde, da der vorderste Terminkontrakt abgeschnitten werde. Letztendlich sei es eine persönliche Präferenz, die der Anleger selbst festlegen müsse.

Wer an einen mittelfristig steigenden Kupferpreis glaube, könne auf gehebelte Scheine setzen, etwa auf den Mini Future Optionsschein Call von der DZ Bank ISIN (ISIN DE000DZ7KAF8/ WKN DZ7KAF) mit Hebel 5,2. Wichtig sei es hier aber dann, den Kupferpreis genau zu beobachten. Ein Unterschreiten der Marke von 7450 Dollar würde das bullische Aufwärtspotenzial charttechnisch gefährden. (Ausgabe 2 vom 26.01.2012) (27.01.2012/zc/a/a)




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